Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten
Vogelschutzwarten sind als Fachbehörden der Länder für den ornithologischen Artenschutz zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören insbesondere die Erabeitung fachlicher Grundlagen für den Artenschutzvollzug und die Koordination avifaunistischer Erfassungen. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW), die eines der ältesten staatlichen Fachgremien in Deutschland ist.
Bericht der LAG VSW 2025

Braunkehlchen auf einem Photovoltaikmodul. Foto: René Thiemann
Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) gilt als eines der ältesten staatlichen Fachgremien Deutschlands. Ihre konstituierende Sitzung fand am 18. Mai 1936 in Berlin statt. Mitglieder der LAG VSW sind die staatlichen Vogelschutzwarten bzw. die für den Vogelschutz zuständigen Fachbehörden der Länder sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Partner und zu den Tagungen geladene Gäste sind der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV). Die geschäftsführende Leitung der LAG VSW übernimmt in jährlichem Wechsel eines der Bundesländer. Die LAG VSW trifft sich turnusmäßig in Präsenz jährlich zu einer Frühjahrs- und einer Herbsttagung. Im Jahr 2025 hatte Nordrhein-Westfalen den Vorsitz der LAG VSW.
Rückblick auf 2025
Auch im Jahr 2025 setzte sich die LAG VSW mit zahlreichen, für den Vogelartenschutz relevanten Themen auseinander. Dazu fand am 21. und 22. Mai eine Frühjahrstagung in Bonn statt, gefolgt von einer Herbsttagung in Soest vom 25. bis 27. November.
Zu den aktuellen Arbeitsschwerpunkten zählt weiterhin der Umgang mit dem Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen (FF-PVA) in Deutschland. Dazu wurde eine umfangreiche Sammlung von Publikationen sowie Gutachten zusammengetragen und hinsichtlich der Validität der angewandten Methoden, der Ergebnisse und deren Aussagekraft bewertet, unter anderem mit Blick auf den Faktor Modulreihenabstände sowie den Einfluss auf Fokusarten wie die Feldlerche. Eine Zusammenstallung der Literatur und deren naturschutzfachliche Bewertung ist auf der Internetseite der LAG VSW (Vogelschutz und Freiflächenphotovoltaikanlagen) veröffentlicht. Diese legt ihren Schwerpunkt auf den Einfluss von Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf Brutvögel und Nahrungsgäste. In Bayern ist 2024 ein Vorhaben zur Untersuchung des Einflusses von ff-PVA auf das Vorkommen von Feldlerchen gestartet. Eine Publikation der Ergebnisse wird 2026 erwartet.
Ein aktuell an Gewicht zunehmendes Thema ist Zuge der Umsetzung von RED III und der Ausweisung von Beschleunigungsgebieten die Verfügbarkeit von Fachdaten zur Beurteilung möglicher erheblicher Umweltauswirkungen. Hierbei soll das durch das Nationale Artenhilfsprogramm (nAHP) geförderte Projekt „Datenmobilisierung von Vogelbeobachtungen“ (DaVon) zukünftig Hilfestellung leisten. Im Kern ist geplant, die Daten von ornitho.de und observation.org zum Schutz der vom Ausbau der Erneuerbaren Energien betroffen Arten für Behörden zugänglich zu machen. Aber auch das nAHP geförderte Projekt „Datengrundlage zur bundesweit einheitlichen Bewertung von Vogelrastgebieten“ (DaVoR) soll in diesem Zuge einen Beitrag zu Vogelschutz leisten.
2024 setzte sich die LAG VSW erstmals mit einem anders gearteten Wiesenvogelschutz auseinander. So wird regelmäßig diskutiert, Gelege von Wiesenbrütern, die im Zuge von Kitzrettungen mittels Drohnenbefliegungen entdeckt werden, zu bergen, künstlich auszubrüten und die Jungvögel in die Natur zu entlassen. Diese vermeintlichen Artenschutzmaßnahmen unterminieren als sog. „Headstarting-Projekte“ getarnt den Wiesenvogelschutz. Eine kleine Arbeitsgruppe innerhalb der LAG VSW hat hierzu ein Positionspapier erarbeitet. Aber auch darüber hinaus spielte der Feld- und Wiesenvogelschutz eine große Rolle. So wurde die Anwendung und der Nutzen von Feldvogel- oder Kiebitzinseln diskutiert und mit Vorstellung des nAHP-Projekts „Kooperativer Wiesenvogelschutz in Bremen und umliegenden niedersächsischen Grünlandgebieten“ (WIKO Bremen) waren Einblicke in ein good practice Beispiel möglich.
Für das Historienprojekt „Geschichte der Vogelschutzwarten“ konnten erste Interviews in Bayern, Hessen und Niedersachsen geführt werden. Die Interviews in anderen Bundesländern sollen im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden.
Weitere Einzelthemen, die innerhalb der LAG VSW diskutiert werden, sind z. B. die Folgen und Umgang mit dem sog. Griechenland-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, Az. C-66/23), der Umgang mit Saatkrähen mit Hinweis auf ein Pilotprojekt in Bayern und einen aktuellen Handlungsleitfaden Saatkrähe Rheinland-Pfalz, die Möglichkeiten und Grenzen eines akustischen Dauermonitorings oder der Stand der Wiederherstellungsverordnung in den einzelnen Bundesländern.
Abgerundet wurden die Tagungen der LAG VSW von Berichten aus dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), unter anderem zum Stand des Nationalen Artenhilfsprogramms und neuen Projekten, zum AEWA-Nationalbericht oder den Aircraft relevant Bird Areas (ABA).
Ausblick auf 2026
Das geschäftsführende Bundesland in 2026 ist Rheinland-Pfalz. Themen um die Erneuerbaren Energien, das Monitoring in EU-Vogelschutzgebieten oder die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur werden 2026 Schwerpunkte bilden.
Bericht der LAG VSW 2024

Braunkehlchen auf einem Photovoltaikmodul. Foto: René Thiemann
Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) gilt als eines der ältesten staatlichen Fachgremien Deutschlands. Ihre erste Versammlung fand am 18. Mai 1936 in Berlin statt. Mitglieder der LAG VSW sind die staatlichen Vogelschutzwarten bzw. die für den Vogelschutz zuständigen Fachbehörden der Länder sowie das Bundesamt für Naturschutz. Partner und zu den Tagungen geladene Gäste sind der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV). Die geschäftsführende Leitung der LAG VSW übernimmt in jährlichem Wechsel eines der Bundesländer: 2024 wurde sie von Niedersachsen wahrgenommen, 2025 von Nordrhein-Westfalen.
Rückblick auf 2024
Auch im Jahr 2024 setzte sich die LAG VSW mit zahlreichen, für den Vogelartenschutz relevanten Themen auseinander. Dazu fand am 6. und 7. Juni eine Frühjahrstagung in Lemförde am Dümmer statt, gefolgt von einer Herbsttagung in Seefeld/Wesermarsch am 4. und 5. Dezember.
Zu den aktuellen Arbeitsschwerpunkten zählt der Umgang mit dem Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen, einschließlich Agri-PV und schwimmenden PV-Anlagen. Dazu wurde eine umfangreiche Literaturauswertung vorgenommen und fachlich bewertet, unter anderem mit Blick auf den Faktor Modulreihenabstände sowie den Einfluss auf Fokusarten wie die Feldlerche. Einen weiteren Schwerpunkt bildet seit vielen Jahren das Spannungsfeld zwischen Windkraft und Belangen des Vogelschutzes. Hier stand das Raumnutzungs-Kollisionsrisikomodell (RKR-Modell) und dessen probabilistischen Prognosen von Brutvogel-Kollisionswahrscheinlichkeiten an Windenergieanlagen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.
Vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse wurde auch die Habitatmodellierung zur Beschreibung von Konflikt- und Potenzialräumen für WEA-kollisionsgefährdete Brutvogelarten in Deutschland diskutiert. In dem Zusammenhang stehen die Fachbehörden zunehmend unter Druck, anhand von Vorkommenswahrscheinlichkeiten oder Dichtezentren Ausschlussgebiete für den beschleunigten Ausbau von Windenergieanlagen zu ermitteln.
Im Frühjahr 2024 wurde auch der Entwurf des neuen Wiesenvogelschutzprogramms als Teil des sog. Niedersächsischen Weges vorgestellt (Wiesenvogelschutz ist Programm in Niedersachsen | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz). Auf der Herbsttagung konkretisierten sich die Vorbereitungen eines Historienprojektes, das die Geschichte der Vogelschutzwarten in Deutschland aufarbeiten möchte. Interviews mit Zeitzeugen sollen hierfür die Grundlage schaffen.
Abgerundet wurden die Tagungen der LAG VSW von Berichten aus dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), unter anderem zum Stand des Nationalen Artenhilfsprogramms und dessen Förderrichtlinie, zum sog. Pledges-Prozess zur Verbesserung des Erhaltungszustandes europäischer Brutvogelarten sowie zu laufenden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.
Ausblick auf 2025
Vor dem Hintergrund stark angestiegener Zahlen von Anträgen zu Entnahmen, künstlicher Aufzucht und anschließender Auswilderung von Vogelgelegen im Rahmen der Kitzrettung mittels Drohnen plant die LAG VSW in diesem Jahr die Erarbeitung eines Positionspapieres. Dabei sollen Richtlinien erarbeitet werden, unter welchen Voraussetzungen diese Maßnahmen einen Beitrag für den Vogel- und speziell den Wiesenvogelschutz leisten können.
