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Geförderte Projekte

Die hier aufgeführten Projekte haben eine Förderung durch den Deutschen Rat für Vogelschutz erhalten. Die Ergebnisse abgeschlossener Projekte können in den Berichten zum Vogelschutz nachgelesen werden.

Übergreifende Analyse zur Radiotelemetrie an Brachvogelküken

Antragsteller: Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV)

Projektverantwortliche: Verena Rupprecht

Förderzeitraum: Januar 2024 bis September 2025

Veröffentlichung: BzV - in Bearbeitung

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Der Brachvogel (Numenius arquata) zählt zu den am stärksten gefährdeten Wiesenbrütern Mitteleuropas. Hauptursache des anhaltenden Bestandsrückgangs ist der geringe Bruterfolg, insbesondere die hohe Kükenmortalität. Ziel dieser Studie war es, anhand von Radiotelemetrie den Schlupferfolg, das Überleben und die Aktivitätsmuster von Brachvogelküken in Bayern zu untersuchen sowie Verlustursachen und Einflussfaktoren zu identifizieren. Zwischen 2020 und 2024 wurden in vier Untersuchungsgebieten insgesamt 322 Küken aus 114 Familien mit VHF-Sendern ausgestattet und über Hand- und stationäre Telemetrie verfolgt. Ergänzend wurden Schlupfraten an 204 Nestern mit 770 Eiern erfasst. Statistische Analysen umfassten generalisierte lineare Mischmodelle zur Prädationswahrscheinlichkeit und kumulative Link-Mixed-Modelle zum erreichten Alter; Aktivitätsdaten von 28 Küken wurden mittels linearer gemischter Modelle in Abhängigkeit von Alter und Wetterfaktoren ausgewertet. Die Schlupfraten waren relativ hoch (69 %), was den Erfolg von Schutzmaßnahmen wie Elektrozäunen und angepasster Mahd belegt. Dennoch wurden nur 31 Küken flügge (0,27 flügge Jungvögel/Brutpaar). Über 80 % der Verluste resultierten aus Prädation oder Verschwinden, nur wenige Küken gingen durch Mahd, Hochwasser oder andere Ursachen verloren. Sowohl Boden- als auch Luftprädatoren trugen wesentlich zu den Verlusten bei; Füchse waren die am häufigsten nachgewiesenen Beutegreifer. Die Modellierung zeigte, dass Kükenverluste durch Prädation innerhalb von Familien gehäuft auftreten. Mehr als die Hälfte der Küken verstarb innerhalb der ersten zehn Lebenstage. Schlupfgewicht und Schlupfdatum hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Überleben, Unterschiede bestanden jedoch zwischen Gebieten: Im Donautal, wo ein großräumiger Geflügelzaun eingesetzt wurde, lag der Anteil flügger Küken bei über 30 %, in anderen Gebieten nur zwischen 5–12 %. Die Analysen zur Aktivität verdeutlichten, dass mit zunehmendem Alter die tägliche Aktivität der Küken anstieg, während die Ruhezeiten entsprechend abnahmen – ein Muster, das den wachsenden Energiebedarf während der Entwicklung widerspiegelt. In der Regel setzten die Küken ihre Aktivität kurz vor Sonnenaufgang ein; bei älteren Individuen verlagerte sich das Aktivitätsende zunehmend in die späten Tagesstunden. Niederschlag führte zu einer deutlichen Reduktion der Aktivität, besonders in der ersten Lebenswoche, während höhere Temperaturen die Aktivität steigerten – ein Effekt, der vor allem bei jungen Küken mit noch eingeschränkter Thermoregulation ausgeprägt war. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nestschutzmaßnahmen zwar wirksam sind, Küken jedoch weiterhin einem hohen Prädationsrisiko ausgesetzt bleiben. Effektiver Schutz erfordert daher ein integratives Management, das großräumige Schutzzäune, gezielte Prädatorenregulation und Habitatmaßnahmen kombiniert. Radiotelemetrie erweist sich dabei als zentrales Instrument, um Verlustursachen differenziert zu erfassen, Maßnahmen zu evaluieren und den Schutz dieser bedrohten Art gezielt weiterzuentwickeln.

Suchexpedition nach Frühjahrs-Rastgebieten des Seggenrohrsängers

Antragsteller: BirdLife International ‚Aquatic Warbler Conservation Team‘

Projektverantwortliche: Martin Flade

Förderzeitraum: Die Expedition wurde vom 15. bis 30. März 2024 durchgeführt

Veröffentlichung: BzV - in Bearbeitung

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Der Seggenrohrsänger ist die einzige endemische Brutvogelart Zentraleuropas und die am stärksten gefährdete Singvogelart des europäischen Kontinents. Das Verbreitungsgebiet der Art ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts um über 95 % geschrumpft und beschränkt sich aktuell auf einen sehr kleinen Raum in Ost-Polen, Litauen, Belarus sowie in der Nordwest- und Zentral-Ukraine. Durch Habitatverlust, Klimawandel (Dürren) und unkontrollierte Brände hat der Weltbestand auf nur noch 4.000-5.000 singende M. im Jahr 2025 abgenommen. Die Untersuchung der Durchzugs- und Überwinterungsgebiete mit Hilfe von Geolokatoren hat zudem gezeigt, dass den Rastgebieten der Art in Nordwest-Afrika und Süd-Spanien auf dem Frühjahrszug eine Schlüsselrolle zukommen dürfte. Auf einer Expedition im März 2024 untersuchten wir die möglichen und wahrscheinlichen Rastgebiete in Marokko hinsichtlich ihres aktuellen Zustandes und ihrer Gefährdung und versuchten, mittels Feldbeobachtung und Fang mit Japannetzen Seggenrohrsänger nachzuweisen. Dies gelang nur in einem Gebiet. Im Ergebnis wurde dennoch klar, dass es in Marokko besonders entlang der Nordwestküste noch eine Reihe geeigneter Rastgebiete gibt, diese aber an Zahl und Fläche stark abgenommen haben; gegenwärtig gibt es weniger als 10 verlässlich vorhandene Frühjahrs-Rastgebiete. Sie sind nicht nur durch Niederschlagsmangel, sondern auch durch Hydroagrikultur (bewässerte Gemüse- und Erdbeerfelder unter Plastik) und großflächige Gewächshausanlagen, Wasserentnahme, Überschüttung und Bebauung stark gefährdet. Hier ist internationales Engagement im Naturschutz erforderlich, um die negative Entwicklung zu stoppen. Außerdem sollte der noch sehr lückenhafte Kenntnisstand über Rastgebiete, Aufenthaltsdauer und Habitatwahl des Seggenrohrsängers in Marokko durch längerfristige Beringungsprojekte verbessert werden.

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