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Veröffentlichung neuer Studien zur Reduzierung des Kollisionsrisikos von Vögeln an Windkraftanlagen

9. Juli 2026

Angesichts der Bestrebungen, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben wird es auch in Deutschland einen Zuwachs an Windenergieanlagen geben. Dies wirft Bedenken hinsichtlich der Umwelt-auswirkungen der Windenergieinfrastruktur und des Betriebs auf, insbesondere im Hinblick auf das Kollisionsrisiko von Vögeln. Vor kurzem wurden dazu zwei Studien veröffentlicht, die sich sowohl mit der Risikominimierung zur Zugzeit beschäftigen als auch mit der Minimierung der Auswirkungen auf Vogelarten, die in der Umgebung von Windkraftanlagen brüten.

Die Studie von Bauer et. al. (2026) untersucht erstmals großräumig für Westeuropa, wie sich nächtliche Vogelmigration mit der Verteilung und Energieproduktion von Windkraftanlagen überschneidet. Dabei wurden Radardaten zur Vogelmigration mit Daten zu Windturbinen und Windgeschwindigkeiten kombiniert, um sowohl das Energiepotenzial als auch das Kollisionsrisiko für Vögel zu berechnen. Die Analyse zeigt, dass jährlich rund 208 Millionen Zugvögel potenziell in den Bereich der Rotorblätter gelangen und damit einem Kollisionsrisiko ausgesetzt sind. Berücksichtigt man jedoch die Ausrichtung der Turbinen zum Wind sowie Betriebsbedingungen (z.B., dass Rotorblätter bei bestimmten Windgeschwindigkeiten stillstehen), reduziert sich diese Zahl auf etwa die Hälfte. Das Kollisionsrisiko ist zeitlich und räumlich stark variabel und konzentriert sich vor allem auf die Hauptzugzeiten im Frühjahr und Herbst. Die Studie zeigt außerdem, dass gezielte Abschaltmaßnahmen während Zeiten intensiver Vogelmigration das Risiko erheblich verringern können. Je nach Strategie lassen sich 50 % bzw. 90 % der potenziell gefährdeten Vögel schützen. Insgesamt zeigt die Studie, dass durch gezielt und dynamisch gesteuerte Abschaltungen von Windkraftanlagen ein Ausgleich zwischen Naturschutzbelangen und Energieerzeugung erreicht werden kann. Zudem weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass der geplante Ausbau der Windenergie in Europa mit einem erhöhten Kollisionsrisiko für Vögel verbunden sein kann, dieses jedoch durch geeignete Planung sowie koordinierte Maßnahmen auf internationaler Ebene reduziert werden könnte.


Eine weitere Veröffentlichung des Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende beschäftigt sich mit der Flughöhe von Rotmilanen und dem Kollisionsrisiko im Hinblick auf die Flughöhe. Die Erfassung der Flughöhen des Rotmilans mithilfe moderner Methoden wie Kameras, Laser-Entfernungsmessern und GPS-Telemetrie hat in den letzten Jahren zu deutlich verbesserten Kenntnissen geführt. Das KNE hat die vorhandenen Studien zusammengeführt und im Hinblick auf die Höhenentwicklung von Windenergieanlagen sowie die Lage der Rotorunterkanten ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass ein großer Teil der Flugaktivität während der Brutzeit bereits heute unterhalb oder außerhalb der Rotorbereiche moderner Anlagen stattfindet, insbesondere bei hohen Rotorunterkanten. Eine weitere Anhebung dieser Unterkanten kann das Kollisionsrisiko grundsätzlich verringern, da der Anteil unkritischer Flüge zunimmt. Allerdings reicht eine Bewertung des Risikos allein auf Basis von Flughöhen und Anlagengeometrie nicht aus, da weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen.


Weitere Informationen:

Studie Vogelmigration

Studie KNE

Ein Seeadler fliegt vor einer Windkraftanlage. Foto: O. Wittig, LBV-Bildarchiv

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